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Männliches Toast-Brot

Es ist wieder soweit. Ich hatte eine schlechte Nacht. Eigentlich muss ich mich direkt wieder korrigieren. Ich hatte gar keine Nacht. Meine Schlafperioden beliefen sich über maximal 10 Minuten und wurden durch entsprechend doppelt so lange Wachperioden unterbrochen. In der Wissenschaft hat man hierfür wahrscheinlich einen Fachausdruck, "periodischer Dekadenzyklus" oder so. Ich finde es einfach Mist. Ungerecht. Grausam. Ich bin müde, gereizt und fühle mich einfach schrecklich. Nach dem Öffnen der Jalousien und genauer Begutachtung seiner Frau, sagt mein Mann auch nur "Oh.". "Oh." ist wahrscheinlich die prägnanteste und effizienteste Methode mitzuteilen, dass etwas nicht stimmt. "Oh" werden die römischen Senatoren gesagt haben, als Boten in Rom eintrafen und mitteilten, dass Hannibal da ist.


"Die Katharger sind über die Alpen gekommen. Sie brandschatzen und plündern den Norden unseres Reiches. Sie haben Elefanten."

"Oh."


Ich vermute auch, dass Julia genau dieses "Oh." von sich gegeben hat, als sie merkte, dass ihr geliebter Romeo sich, ob ihres totenähnlichen Schlafs (in einer Gruft! ist auch nicht klug von dem Mädel), selbst das Leben genommen hat, um so bei ihr zu sein.


Also dieses "Oh." höre ich von meinem Geliebten. Es bestätigt meine schlimmsten Befürchtungen und zu dem Gefühl des völlig Fertigseins, mischt sich jetzt die Gewissheit, dass ich auch so aussehe. Zumindest weiß ich es jetzt und kann in meinem benebelten Zustand den Tag beginnen. Dieser verläuft sehr ruhig, da ich viel schweige. Mein Mann zur Sicherheit auch. Was will er auch anderes tun. Vermutlich denkt auch er an Hannibal und die Elefanten und sieht in mir den Mittelmeerfürsten. Mitsamt Speer und blutrünstigem Blick. Am Frühstückstisch versucht er dann vorsichtig, aber sehr penetrant mich davon zu überzeugen, dass es ja noch die Möglichkeit gibt, dass ich mich nochmal ins Bett legen könnte. In Gedanken verfluche ich ihn für diesen vernünftigen Vorschlag. Außerhalb meiner düsteren und verschwommenen Gedankenwelt schweige ich. Ich bin ja der Fürst auf dem Elefanten und muss mir von dem Pöbel nichts sagen lassen.


"Es ist 9 Uhr. Wir müssen erst heute Nachmittag nach Düsseldorf. Du hast noch Zeit zu schlafen."

("Lass mich!")


"Leg dich hin. Mach die Augen zu. Du kannst doch später weiter essen."

("Lass mich!")


"Es bringt doch nichts. Wenn ich so schlecht geschlafen hätte, würde ich mich sofort hinlegen."

("Toller Typ. Lass mich.")


"Du legst jetzt dein Handy weg und gehst ins Bett. Los."

"Ich glaube ich leg mich noch etwas hin. Vielleicht eine halbe Stunde."

"So so. Das ist eine gute Idee."


Mir ist bewusst, dass das nicht die eleganteste Art ist, aber hätte ich schon beim ersten Rat nachgegeben, wie würde das denn aussehen?! Ich lege mich also aufs Ohr und schlafe sofort ein.


Nach zwei Stunden erwache ich mit leichten Kopfschmerzen, aber ohne wabbeligem Quark in meinem Kopf. Seltsame Geräusche erreichen mein Ohr und mit etwas Verzögerung auch mein Hirn. Diese kommen aus der Küche, was mich mäßig beunruhigt. Egal welcher meiner beiden Männer in der Küche ohne meine Aufsicht rumfuhrwerkt, es endet meist in einem mittelschweren Chaos. Da scheinbar nun beide Männer sich vereint haben, erwarte ich Übles und spähe vorsichtig durch die Tür. Mein Blick fällt zuerst auf meinen Mann, der scheinbar einen Teig knetet. Ein erfreulicher Anblick, den ich erstmal wirken lasse. Mein Mann, gekleidet in einer sportlichen, engen, aber nicht lächerlich engen Jogginghose und einem gut sitzendem Shirt. Leicht gebeugt


über der Arbeitsplatte. Mit seinen Händen kräftig und gleichmäßig einen Teig knetend. Sein Gesicht konzentriert und den Blick auf dem Teig in seinen Händen. Langsam merke ich, dass seine Bewegungen einem bestimmten Rhythmus folgen, der wohl aus einer Box kommt. Rockige Musik erfüllt die Küche und irgendjemand berichtet vollmundig, auf Englisch und leicht röhrend von Soldaten des Himmels und einem Berg der viel gesehen hat. Keine Ahnung. Berge kenne ich vom Skiurlaub. Ich vertraue mal meinem Mann, dass das babytauglich ist. Genau dieses Baby kommt langsam in mein Blickfeld. Es sitzt, über und über bedeckt mit Banane und Brotkrümeln, in seinem Stuhl, hüpft mit erhobenen Händen und lacht. Das Hüpfen hat wenig mit dem Rhythmus der Musik zu tun, wird aber dort seinen Ursprung haben. Mein Mann blickt zu seinem Sohn, lacht, geht auf ihn zu und umgreift seinen Hinterkopf und bringt Stirn an Stirn und ruft dabei "Jaaaa. Das ist mein Sohn". Ich beginne zu verstehen.


Männerzeit.


Ich betrete die Küche, um mich ins Spiel zu bringen. Mein Sohn sieht mich und kreischt erfreut auf. Mein Mann dreht sich um und blickt mich prüfend an. "Gut geschlafen?" ist seine Begrüßung. Immerhin kein "Oh."


"Ja. Ich hab zwar noch Kopfschmerzen, aber ich esse jetzt noch was und dann gehen die bestimmt auch weg. Was ist hier bei euch los?"

"Dein Sohn ist fleißig und ich backe uns Toast-Brot."

"Aber wir haben doch noch voll viel Brot im Kühlschrank. Habe gestern doch erst eingekauft."

"Ach. So viel wie wir essen. Das geht schnell weg."


Ich blicke auf die Arbeitsplatte und das riesige Kochmesser. Er bemerkt meinen Blick und erklärt, dass er damit die Dinkelkerne kleingemacht hat. Der Frage, warum er nicht den Thermomix genommen hat, greift er direkt vorweg und meint, dass das ja wohl nicht nötig sei. Wie gesagt. Männerzeit. Ich bewundere ausreichend lange sein Werk und bewege mich langsam aus der Küche. Irgendwie passe ich hier nicht rein. Der Geruch nach frischem Teig, schwarzem (!) Kaffee und einem Hauch ungewaschenem Mann begleitet mich ins Wohnzimmer. Dort setze ich mich an den Esstisch und beginne mein zweites Frühstück. Aus der Küche höre ich wie der Ofen geöffnet und geschlossen wird. Es wird scheinbar gespült und Dinge werden weggeräumt. Nach zwanzig Minuten kommt die Zwei-Mann-Horde aus der Küche und gesellt sich zu mir. Beide scheinen glücklich. Meine Kopfschmerzen haben sich verflüchtigt und mein Hunger ist gestillt. Ich frage nach dem Rezept.


"Dinkelmehl und Wasser. Dann noch ein paar von den Körnern. Ich glaube aber, dass ich was vergessen habe. Und Hefe. Aber so richtig ist der nicht aufgegangen. Kriege ich ja nicht hin."

"Du kannst die Hefe mit etwas Zucker besser aufgehen lassen. Bei manchen Rezepten hilft es, wenn man die Hefe vorher mit etwas warmen Wasser und Zucker anrührt und dann hinzugibt."

"Mh. Keine Ahnung."


Am Ende ist der Teig dann noch etwas aufgegangen und der Toast schmeckt tatsächlich auch. Die ersten Scheiben hat mein Mann übrigens nach dem Fitnessstudio gegessen. Mit Käse und scharfen Senf. Im stehen in der Küche. Nackt. Die Zutatenliste enthielt wohl auch eine gehörige Portion Testosteron.


Collage aus Bildern
Alles was Mann braucht



 
 
 

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