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Geschafft.

Es ist der 06.01.2023. 20:03. Konrad schläft. Ich bin müde. Hundemüde. Erschöpft. Ich lasse meinen müden Blick durch das neue Wohnzimmer schweifen. An den Wänden hängen die ersten Bilder, auf welchen mich viele kleine Konrads anschauen und sich mehr oder wenig elegant geben. Hin und wieder gibt es auch ein Bild ohne den kleinen Racker. Aber diese sind in der Minderheit. Genauso wie Möbel in der Minderheit sind. Beherrscht wird der Raum noch durch eine große freie Ecke, welche in den kommenden Wochen mit einem kleinen Sofa gefüllt werden soll. Neben dem wahrscheinlich ewigen Thema der Beleuchtung ist diese Ecke eine der letzten großen Baustellen, welche zeigt, dass wir noch nicht so lange hier wohnen. Eigentlich ist es sogar die letzte große Baustelle gewesen. Bis mein Mann Mitte der Wochen seinen Espresso quer durch den Treppenaufgang aus der zweiten Etage gekippt hat.


Seine Aussage nach wollte er meinem Sohn (immer wenn etwas passiert, ist es mein Sohn. Geht euch das auch so? Frechheit. So billig kommt mir der Kerl - also mein Mann - nicht davon.) beweisen, dass die menschlichen Gene zu 98 Komma irgendwas Prozent mit den Genen der Schimpansen übereinstimmen. Also ist mein Mann mit einem sehr authentischen Affengehopse und Affengespringe hinter meinem wie irre kichernden Sohn her (ja ja, es ist unser Sohn) und hat Affenlaute von sich gegeben. Huuuhuhahuaa Boooaaa Huuhaaaa. So in etwa. Zwischen den Kicher- und Lachanfällen unseres (!) Sohnes, hat dieser Sohn dann natürlich versucht, seinen Papa zu imitieren. Uuuuuuuuh. Ein leises Uuuuuh. Absolut niedlich. Mit gespitzten Lippen. Uuuuuuh. Wesentliche Erkenntnisse für mich in diesem Moment.


  1. Das mit den Affen und den Genen kann schon stimmen.

  2. Ich kann in Ruhe ein Nickerchen machen. Die beiden sind beschäftigt.

Beschäftigt waren die beiden. Aber scheinbar nicht ausgelastet. Mein Mann meinte nämlich seine großen Vorbilder nicht nur in Gang und Sprache zu imitieren, sondern auch im Klettern. Geklettert wird an der Treppe. Auf genau der Treppe, auf der der Oberschimpanse seinen letzten Rest Espresso (muss ein ziemlich kultivierter Affe sein) abgestellt hat. Im Eifer des Gefechts hat also dann Papa Affe den Espresso beim Klettern quer durch den Treppenaufgang gekickt und dabei die eigentlich makellose Wand vollgekleckst. Er hat Glück, dass ich ausgeschlafen war. Sonst hätte ich ihn mit Bananen verprügelt.


Aber gut. Kaffeeflecken hin oder her, jetzt gerade ist für mich nur eins von Bedeutung: Wir sind zu 98% angekommen. Egal wie entspannt (oder angespannt - mit den Muskeln natürlich) wir das Thema Umzug angegangen sind, am Ende war es dann doch kräftezehrend und langwierig (nicht nur für die Muskeln). Neue Wand hier. Neuer Boden da. Küche hier und Kleiderschränke von Kleinanzeigen dort. Parallel dazu ein in einem neuen Job arbeitender Mann und ein kleiner Junge, der nicht nur von den Affen abstammt, sondern garantiert auch von irgendeinem der großen Entdecker oder Forscher der Menschheit. Alles muss angefasst, verschoben, bestaunt und am besten umgeworfen werden. Könnte ja sein, dass die Schwerkraft mal nicht wirkt und das will man ja dann live und in Farbe mitbekommen. Nie hat das Auspacken eines Kartons und das Befüllen von Küchenschränken länger gedauert. Kennt ihr so Szenen aus Filmen in denen eine Person irgendwas stapelt und eine andere Person dann wieder was vom Stapel wegnimmt? Beide kehren sich dabei immer den Rücken zu und sehen nie was die andere Person macht, wundern sich aber, dass der Stapel nicht größer oder kleiner wird? Ich wundere mich nicht. Ich sehe ja was passiert. Dosen werden von mir eingeräumt. Dosen werden unter großem Tamtam und mit ernstem Gesicht auf die Esszimmerstühle verteilt. Socken werden von mir säuberlich in die Schublade gelegt. Socken werden weniger säuberlich mitten im Badezimmer ablegt. Süß ist das ja schon. Eben wegen dieser totalen Ernsthaftigkeit und Zielstrebigkeit. Mitten im Umzug ging mir das aber schon auf den Keks.

Mama nennt es Chaos. Konrad nennt es Spieleparadies.
Konrad im Umzugs-Chaos

Wie gesagt. Das ist Vergangenheit. Natürlich wird unsere Ordnung in der Küche tagtäglich aufs Neue in Frage gestellt und der Mixer wird zwischen den Gummibärchen eingelagert. Aber das geht schon in Ordnung. Genauso geht es in Ordnung, dass der kleine Mann jetzt sein eigenes Zimmer hat. Mit zwei Türen zwischen ihm und dem Wohnzimmer und einer kleinen Überwachungsstation auf dem Schrank. Diese zeigt mir, dass unser Sohn gerade schläft. Sehr gut. Ich widme mich meinem Tee. Lege die Beine auf den Stuhl neben mir ab und genieße die Ruhe. Der Umzug musste sein. Egal wie wir ihn organisiert hätten, er wäre anstrengend geworden. Er ist anstrengend geworden. Auch wenn der Kleine durch die Großeltern bespaßt wurde (die Oma hat ihn quer durch die Wohnung gejagt und es war ein absoluter Traum die beiden zu beobachten) und wir schon viele Möbel vorher aufgebaut hatten, muss ich eingestehen, dass es mich erschöpft hat. Die ohnehin schon knapp bemessene Zeit für mich war gleich Null. Für Wochen. Jetzt im neuen Jahr werde ich hoffentlich meine Me-Akkus wieder aufladen können. Jede Woche ein kleines bisschen. Mein Mann muss das erste Mal seit gefühlten drei Monaten an den Wochenende nicht irgendwas in irgendeiner Wohnung machen und ich kann endlich wieder Laufen gehen. Darauf freue ich mich gerade so richtig. Mit dem Tee in meiner Hand gehe ich meinen Ablauf für morgen durch.


Konrad und Papa schlafen noch. Ich kann mir in Ruhe meine Sportkleidung anziehen. BH. Socken. Shirt. Hose und eine bequeme Jacke. Welche weiß ich noch nicht. Schauen wie das Wetter morgen ist. Die Laufschuhe schnell aus dem Schrank geholt und Musik auf die Ohren. Raus auf die Straße. Die kalte Morgenluft genießen. Jeden Schritt genießen. Am Ende beim Bäcker rein. Brötchen holen und mit vollen Akkus nach Hause.


Genau diese halbe Stunde morgen, die wird mir zeigen, dass wir es geschafft haben. Dass wir angekommen sind und die nächsten Herausforderungen und Abenteuer planen können. Aber auch die schaffen wir. Da bin ich mir sicher.

 
 
 

1 Kommentar


Ute Platzbecker
Ute Platzbecker
07. Jan. 2023

Wunderbar geschrieben und gelebt ❤

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