It's PT-Time
- Sarah Guhl
- 25. Aug. 2022
- 3 Min. Lesezeit
Es ist Mitte August im Sommer 2022. Ich treffe Dana zu einem morgendlichen Personal-Training im Benrather Schlosspark. Bei moderaten 21° Celsius und erfrischender Luftfeuchte erwartet sie mich bereits am Parkplatz der Orangerie. Wenige andere Autos und noch weniger Menschen sind zu sehen. Bepackt mit Matte, Kettlebells und einem TRX führt uns unser Weg in das Herz des Waldes. Nach wenigen Minuten erreichen wir eine, von majestätischen Bäumen umgebene, Freifläche. Die Wiese ist kurz geschnitten und am Rand mit einer dünnen Schicht Laub bedeckt. Die Trockenheit fordert ihren Tribut. Keine Menschenseele ist an diesem fast unwirklichen Ort zu sehen. Kein Geräusch der Großstadt dringt zu uns. Nur vereinzelt hört man Vögel. Fast schon scheue ich mich, die Ruhe zu stören und mit dem Training zu beginnen.
Der Fokus des heutigen Trainings liegt klar auf Danas Oberkörper. Da sie morgen ein Softball-Spiel hat, fällt das Training moderat aus und zielt auf Aktivierung und Mobilität ab. Core, Schultern, Oberarme und die sanfte Aktivierung des Herz-Kreislaufsystems, das ist alles und reicht auch für eine Stunde aus. Ich muss schmunzeln, als ich Danas Gesichtszüge sehe, während ich den Trainingsplan vorstelle.
Zunächst aber gezieltes und gemeinsames Aufwärmen. Hierbei werden wir von einem mäßig interessierten Papa mitsamt Kinderwagen beobachtet. Dieser dreht eine Runde um die Lichtung und scheint mit seinen Gedanken weit weg. Wenig überraschend an so einem Ort und zu solch einer Zeit. Später verschwindet der Papa in einem der dunklen und kühlen Waldwegen. Bei uns geht es so langsam los und das Aufwärmen macht sich bemerkbar. Unser Körper hat die morgendliche Trägheit verloren und ist warm.
Nach dem Aufwärmen und einem tiefen Schluck aus der Wasserflasche geht es sofort in die Übungen. Rudern am TRX, klassische Liegestütze, Crunches, Planks in verschiedenen Variationen stehen unter anderem auf dem Programm. Da ich Dana und ihre Stärken und Schwächen kenne, weiß ich bei welcher Übung ich vermutlich eingreifen muss und bei welcher Übung der Fokus weniger auf der Technik und mehr auf der gesteigerten Anzahl an Wiederholungen liegt. Beim Reverse Butterfly am TRX muss ich dann tatsächlich noch einmal den Bewegungsablauf erklären und sie gezielt korrigieren. Danas medizinisches Studium machen es natürlich nötig, dass ich die involvierten Muskelgruppen nicht nur benenne, sondern auch erkläre, wie sie bei den entsprechenden Übungen zusammenwirken - welcher Muskel ist der Agonist, welcher der Antagonist. Dana hilft dieses Wissen, die entsprechenden Muskelpartien besser ansteuern und dadurch die Übungen sauberer ausführen zu können. Naturwissenschaftler sind schon sehr speziell... wie gut, dass ich es von meinem Mann gewöhnt bin.
Mich freut es, denn die Korrekturen und Erklärungen zeigen ihre Wirkungen. Die nächsten Ausführungen sind trotz nachlassender Kraft sauber und intensiv. Neben einem guten Training und der korrekten Ausführung der Übungen ist mein Ziel immer, dass meine Klienten kontinuierlich sicherer werden. Meine Aufgabe habe ich dann erfüllt, wenn sie mich nicht mehr brauchen.
Danas Ziel ist nach der Hälfte des PT wohl nur noch das Überleben. Zumindest erklärt sie mir dies mit einem mehr oder weniger verschmitzten Grinsen. Wer Grinsen kann, kann auch Front Rack und Overhead Hold mit 6er-Kettlebells. Die ersten Runden sind noch kein Problem, in der letzten verlässt sie sichtbar die Kraft und die Ausführung wird unsauber. Da Aufgeben bisher noch nie eine Option war, wird tapfer durchgehalten. Mittlerweile hat auch ein gut gebauter Herr die Lichtung für sich entdeckt und beginnt seinen Tag mit asiatisch angehauchten Bewegungsabläufen. Wir vermuten Tai Chi. Wir haben aber auch keine Ahnung.
Nach 50 Minuten intensiven Training, sporadischen Zuschauern und steigenden Temperaturen kommen wir zum letzten Teil des PTs, den Assisted Stretch. Der große Vorteil der 1zu1-Betreuung ist, neben eines gezielten Trainingsplans und dem Wissen um die ganz unterschiedlichen Attribute jedes Klienten, natürlich der Luxus des Assisted Stretches. Wofür selbst Dehnen, wenn man doch eine Trainerin hat, lautet das Motto und so kann Dana auf dem Rücken liegend die letzten Minuten genießen, während ich ihren Körper in wohltuenden Dehnungen in die Entspannung bringe und vereinzelte Muskelpartien auch durchknete. Es wird gescherzt, gelacht und zwischendurch immer mal wieder gestöhnt. Wohlwollend wie ich betonen muss.
Auf dem Rückweg laufe ich neben einer erschöpften, mittlerweile hungrigen und vor allem gut gelaunten Klientin, die sich auf den restlichen Tag und vor allem auf das nächste PT freut.












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